Was ist ETNS?

Zugriff auf europaweit verfügbare Dienste mit einer einzigen Telefonnummer
Der Europäische Telefonnummerierungsraum (European Telephony Numbering Space, ETNS) ist ein europäischer Telefonnummernbereich, der parallel zu bestehenden nationalen Nummernbereichen existiert und zur Bereitstellung europaweiter Dienste verwendet werden soll. Ein europaweiter Dienst ist ein internationaler Dienst, der von mindestens zwei europäischen Ländern aus aufgerufen werden kann.

Hauptziel von ETNS ist eine effiziente Nummernvergabe für europaweite internationale Dienste, für die nationale Nummern eventuell nicht geeignet oder weltweit gültige Nummern nicht verfügbar sind.

Durch Bestimmung einer neuen europäischen Landesvorwahl, der 388, können international agierende europäische Unternehmen, Dienste und Einzelpersonen eine Europäische Nummer für den Zugriff auf ihre Dienste erhalten.

ETNS-Dienste
Momentan stehen vier ETNS-Dienste zur Verfügung: Öffentliche Dienste (Public Service Application), Kundendienstanwendung (Customer Service Application), Firmennetzwerke (Corporate Networks) und Persönliche Nummern (Personal Numbering). Jedem ETNS-Dienst wurde eine Europäische Dienstkennung (European Service Identification, ESI) zugewiesen. Dieser einstellige Code folgt, wie unten dargestellt, der europäischen Landesvorwahl 388 und dem Europäischen Dienstcode 3 (3883).
 
ETNS-Dienst ESI
Öffentliche Dienste (Public Service Application, PSA) 3883 1
Kundendienstanwendung (Customer Service Application, CSA) 3883 3
Firmennetzwerk (Corporate Network, CN) 3883 5
Persönliche Nummern (Personal Numbering, Personal) 3883 7

Weitere Informationen finden Sie bei der Beschreibung der ETNS-Dienste.
Weitere Einzelheiten zu den ETNS-Diensten befinden sich auf der Website der ERO.

Günstige Anrufe bei europaweit verfügbaren Diensten
Die Kosten für einen Anruf einer Europäischen Nummer hängen vom gewählten europaweiten Dienst ab und umfassen zwei Gebühren. Zum einen zahlt der Anrufer aus einem europäischen Land für aktuelle Dienste einen Tarif, der maximal den Kosten eines Inlandferngesprächs entspricht. Anrufer von außerhalb Europas werden die Kosten für eine internationale Verbindung nach Europa entrichten müssen.

Der zweite Teil der Gesprächskosten wird für die Anrufdurchstellung erhoben und vom Angerufenen beglichen. Es handelt sich hierbei um eine wirtschaftliche Vereinbarung zwischen dem Angerufenen und seinem Netzwerkbetreiber/Service Provider.

Struktur Europäischer Nummern
Eine EN ist eine internationale Standardnummer, die wie unten dargestellt aufgebaut ist.

Der Anfangsteil, genannt Europäische Dienstkennung (European Service Identity, ESI), besteht aus der Landesvorwahl (Country Code, CC) und der Gruppenkennung (Group Identification, GI), die ETNS (3883) kennzeichnet, gefolgt von einem Europäischen Dienstcode, der für einen bestimmten ETNS-Dienst steht. Die Europäische Teilnehmernummer (European Subscriber Number, ESN) ist die Nummer, die einem Kunden im Zusammenhang mit dem bestimmten Dienst zugewiesen wurde. Eine EN kann höchstens 15 Stellen lang sein.

Beispiel für eine EN: 3883 X XXXXXXXX

Anrufweiterleitung
Zur Weiterleitung von ETNS-Anrufen wird eine doppelte Übersetzung angewendet. Diese kann auf zwei Arten implementiert werden:
 

  1. Die doppelte Übersetzung der Methode A nutzt sowohl Sprach- als auch Signalwege zwischen dem versorgenden Netzwerk (Serving Network, SgN) und dem ETNS-Service-Provider.

  2.  
  3. Die doppelte Übersetzung der Methode B nutzt nur einen Signalweg zwischen dem SgN und dem ETNS-Service-Provider.

  4.  
Doppelte Übersetzung nach Methode A
Das Bild unten zeigt eine vereinfachte Darstellung der doppelten Übersetzung nach Methode A.
  1. Der Anrufer wählt die Europäische Nummer (EN) im internationalen Format. Auf der Grundlage der ESI wird der Anruf an das versorgende Netzwerk weitergeleitet.

  2. Hinweis: Ein Netzwerk wird dann versorgendes Netzwerk genannt, wenn es die Europäische Nummer durch Nutzung der ETNS-Übersetzung analysieren und umsetzen kann. Das unterstützte Netzwerk (Assisted Network) muss lediglich die ESI analysieren, um den Anruf an das jeweilige versorgende Netzwerk weiterzuleiten.
     

  3. Bei Eingang eines ETNS-Anrufs ruft das versorgende Netzwerk die ETNS-Übersetzungsdatenbank zur Überführung der ankommenden Europäischen Nummer (EN) in eine abgehende Weiterleitungsnummer (Routeing Number, RN) auf. Die Weiterleitungsnummer zeigt auf das Dienstnetzwerk, mit dem der Service Provider verbunden ist.

  4.  
  5. Eine zweite Übersetzung erfolgt durch den Service Provider und ermittelt eine Zielnummer (Terminating Number, TN) zur Adressierung des Angerufenen.
Doppelte Übersetzung nach Methode B
Die doppelte Übersetzung nach Methode B soll in der Zukunft implementiert werden und basiert auf der Verwendung der Signalgebungsschnittstellen zwischen der ETNS-Übersetzungsdatenbank und der Datenbank des Service Providers, die eine Zuordnung von EN-RN-TN ermöglichen, ohne Sprachwege zwischen dem versorgenden und dem Dienstnetzwerk zu nutzen.

Genaue Beschreibungen der Weiterleitungsmechanismen sind in ETSI EN 301 160 “Routeing of calls to ETNS Services” (Weiterleitung von Anrufen an ETNS-Dienste) zu finden.

ETNS-Weiterleitungsnummern
ETNS-Weiterleitungsnummern entsprechen den internationalen Nummerierungsnormen; Aufbau und Verwaltung dieser Nummern sind nationale Aufgaben unter der Rechtsprechung der Nationalen Nummerierungsbehöre (National Number Administrator, NNA). Als Alternative können sich Netzwerke bilateral auf die Verwendung von ETNS-Weiterleitungsnummern einigen, die keinen internationalen Nummerierungsnormen entsprechen.

Die Verteilung der RN an die jeweiligen versorgenden Netzwerke unterliegt der Verantwortung von Neustar. Diese RN erhalten die ETNS-Service-Provider von den gewählten Dienstnetzwerken.

Nummernübertragbarkeit in Europa
Vor ETNS Nummern innerhalb einzelner europäischer Länder übertragbar, jedoch nicht länderübergreifend. ETNS ist eine Landesvorwahl, bei der Nummern zwischen Teilnehmerländern übertragbar sind, so dass europaweite internationale Dienste ermöglicht werden.

Die Nummernübertragbarkeit ermöglicht es dem Teilnehmer eines europaweit verfügbaren Dienstes, den ETNS-Service-Provider für diesen bestimmten Dienst zu wechseln, gleichzeitig aber die Europäische Nummer zu behalten.

Wird eine EN zwischen zwei Service Providern übertragen, ist eine Informationsübermittlung zwischen den Service Providern und dem ETNS-Registerführer notwendig. Dies funktioniert folgendermaßen:

  1. Der Geber-SP unterrichtet den Registerführer von der Deaktivierung der EN und von der Absicht des Teilnehmers, die Nummer auf einen anderen SP, den Empfänger-SP zu übertragen.

  2.  
  3. Der Empfänger-SP wiederum unterrichtet den Registerführer von der Aktivierung der übertragenen EN.

  4.  
  5. Der Registerführer überprüft, ob der Empfänger-SP qualifiziert ist, den ETNS-Dienst anzubieten. Besitzt der Empfänger-SP diese Qualifikation nicht, muss er sich dafür qualifizieren, oder der Registerführer muss die Übertragung ablehnen.

  6.  
  7. Nimmt der Registerführer die EN-Übertragung an, wird der Wechsel des SP ins Registrierungssystem aufgenommen.
Die Übertragung einer EN erfordert auch eine Änderung der Verknüpfung von EN und Weiterleitungsnummer.
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